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20.07.2016

Biergeschichten mit Gerald Huber

Wer in Bayern – zumindest in den katholischen Landstrichen – ein Wirtshaus sucht, der sucht zunächst einmal die Kirche. Gott und Geselligkeit gehört hier einfach zusammen, und da darf dann auch der Gerstensaft nicht fehlen.

Gerald Huber mit Maria Reiter

Gerald Huber sang altbairische Weisen

Maria Reiter am Akkordeon

Das Publikum hörte gespannt und mit Interesse zu.

 Darüber zu reden ist wohl kaum einer so prädestiniert wie der bei der KEB und  mithin im Dekanat Ingolstadt schon bestens bekannte Rundfunkreporter und Heimatforscher Gerald Huber, der bei seinem zünftigen Auftritt in der Mensa des Canisiuskonviktes am 15. Juli nicht nur alle Register seines Könnens zog, sondern sich auch von einer neuen Seite zeigt: nämlich als Sänger altbairischer Weisen, begleitet von der Münchnerin Maria Reiter am Akkordeon.

Inhaltlich lieferte Huber diesmal mehr als genug Beweise, dass die gesellige Koalition von Gott und Gerstensaft nicht erst in Bayern erfunden wurde, gleichwohl gab es das schon vor 12.000 Jahren. Damals war nämlich eine große Eiszeit zu Ende, und der umherziehende Mensch musste nicht mehr ums Überleben kämpfen, weil  die zuvor mit Mühe gejagten Tiere nun schon fast in seiner Nähe lebten und sich gleichsam auf dem Tablett selbst servierten. Jene Zeit des beginnenden Müßiggangs konnte  nun dazu führen, dass der Mensch sich des öfteren dem Rausche hingab – und so baute er dann auch Gerste an.  Das Bier, das sich freilich von dem unseren heute sehr unterschied, war geboren – und zwar in Mesopotamien, dem Land zwischen Euphrat und Tigris  Gleichzeitig kam man aber in dieser Zeit auch erstmals zusammen, um Götter zu verehren. So trafen die Menschen sich zum religiösen Kult und gleichzeitig zum geselligen Trinken. Dieser Zusammenhang zwischen Religion und Gerstensaft wird im Übrigen auch in dem Begriff „Kult“ deutlich. Das Wort „Kult“, das ja für uns ganz eng mit der religiösen Praxis zusammenhängt, stammt ursprünglich vom lateinischen „colere“, und das bedeutwet anbauen – ist also ein Terminus der Landwirtschaft. Dabei gab es das Bier bereits vor dem Brot, obwohl beides aus einer Wurzel stammt, dem indoeuropäischen „brd“.

Indessen galten sowohl in Griechenland wie auch in Ägypten die Götter als Schöpfer des Bieres. Gerade im Land am Nil war man dem Gestensaft besonders zugetan. So feierte man tagelang mit dem Bier den Leichenschmaus und übertraf dabei die Bayern auch früherer Zeiten – wo bei einem Leichentrunk schon mal auf den einzelnen durchschnittlich zwei Maß Bier und fünf Stamperl Schnaps kamen.

Die bayerische Bier- und Lebenskultur brachte Gerald Huber neben seinen interessanten wie urigen Texten – wie schon erwähnt - auch durch selbst gesungene und von Maria Reiter am Akkordeon begleitete Lieder der Zuhörerschaft nah, und am Schluss stand – wohl barock-bayerischer Mentalität entsprechend – das „Halleluja“ aus Händels „Messias“ – hier als Loblied aufs Bier, eben „Helleluijah“.

Text und Bilder: © Raymund Fobes

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