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13.11.2021

Ewigkeit ist jetzt – Jenseits schon hier: P. Guido Kreppold über den Tod und das Ewige Leben

P. Guido Kreppold zeigte Wege auf, wie der Tod seinen Schrecken verlieren kann. (Bild: © Raymund Fobes)

Ein Mutmacher-Vortrag für die Zuhörerinnen und Zuhörer (Bild: © Raymund Fobes)

P. Guido: Das Modell des "Selbst" von C. G. Jung muss auch in christliche Theologie und Verkündigung Eingang finden. (Bild: © Raymund Fobes)

Sie standen vor den Erschießungskommandos der Nazis und starben betend und lachend. Ihren Peinigern haben sie verziehen und gingen gelassen und ohne Angst in den Tod.

Abbé Franz Stock, der deutsche Gefängnisgeistliche in Frankreich berichtet von solchen Menschen, die als Geiseln oder Gefangene von den Nazis standrechtlich erschossen wurden. Diese Gelassenheit verblüfft, und sie kann gleichzeitig Todesangst nehmen. P. Guido Kreppold wies in seinem Vortrag bei der Katholischen Erwachsenenbildung im Haus der Stadtkirche am 11. November auf diese Zeugnisse der Todgeweihten hin, und für ihn haben diese Menschen bereits vor ihrem Tod Ewigkeit erlebt. Denn, so P. Guido, Ewigkeit ist nicht endlose Zeit, sondern die Erfahrung von Zeitlosigkeit. Solche Zeitlosigkeit kann ich erfahren etwa beim Hören eines schönen Konzertes oder auch in der Begegnung mit Kunstwerken oder philosophischen Texten, die mich berühren. P. Guido verortete diese Erfahrung von Ewigkeit, angelehnt an den Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung, in der Tiefe des menschlichen Unbewussten, wo das Göttliche als göttlicher Funken aufscheint. Aufgabe sei es, dementsprechend schon jetzt Zugang zum Unbewussten zu erhalten und damit zur Gotteserfahrung – Erfahrungen, die vor allem die Mystiker gemacht haben. Die Frage nach dem Ewigen Leben ist allerdings nicht mit dem Intellekt zu beantworten, sondern allein auf dem Weg der Erfahrung.

Da es beim christlichen Glauben vor allem um die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Tod und Ewigen Leben geht, forderte P. Guido dringend dazu auf, dass sich die Theologie und Verkündigung mit der Psychologie Jungs ernsthaft auseinandersetzt und diesen Bereich der Erfahrung ernst nimmt. Hier liege ein großes Defizit vor, und auch der „Synodale Weg“ könne das Problem der Entfremdung der Menschen von der Kirche nicht lösen, weil er sich dieser Thematik nicht annehme – ja im Grunde die Gottesfrage als solche kaum zum Thema habe. Offen zeigte sich P. Guido gegenüber Nahtoderfahrungen, die zwar keine Beweise für das Leben nach dem Tod sind, aber offenbar doch Einblicke in die zeitzlose Ewigkeit und besondere Begegnungen mit dem Göttlichen, weil sie die Menschen massiv – zum Guten – verändern, sie empathischer, rücksichtsvoller und auch religiöser machen. Auch die Möglichkeit, in diesem Leben Verstorbene – etwa in Träumen – zu kontaktieren, schloss P. Guido nicht aus. Hier komme das kollektive Unbewusste zum Tragen, von dem C.G. Jung spricht, dass nämlich in unserem Unbewussten Urerfahrungen der ganzen Menshheit gespeichert sind und sogar die Erfahrung, wie wir mit Verstorbenen in Kontakt kommen können.

Text und Bilder: © Raymund Fobes


 

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Ort: Ingolstadt, Hieronymusgasse 2 (Dekanatssaal)
Veranstalter: Bischöfliche Jugendamt & Koordinationsstelle zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt